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(für Rundbrief 3/2010 des Forums Umwelt & Entwicklung)

Für den Verein fair-fish, selber Inhaber eines Labels [1] , kommen beim Fischkauf Labels erst an zweiter Stelle. An erster Stelle muss die Frage stehen, wie viel Fisch weltweit zur Verfügung steht: nicht mehr als ein bis zwei Fischmahlzeiten pro Mensch und Monat [2] . Grob geschätzt, doch genaues Rechnen wird wenig daran ändern. Wir täuschen uns einfach mit Fisch, den wir zunehmend dem Weltsüden und künftigen Generationen wegessen.

Der Umgang vieler NGOs mit dieser Realität ist erstaunlich: Sie empfehlen zwar ebenfalls, den Fischkonsum etwas einschränken, trauen sich aber offenbar nicht, ihren Spendern reinen Wein einzuschenken, und stellen lieber Labels in den Vordergrund – als könnte der viel zu hohe Fischkonsum jemals ganz aus nachhaltiger Produktion gedeckt werden.

Die nackte Wahrheit scheint Angst zu machen. Ocean2012, eine breite Koalition von NGOs zur Einflussnahme auf die Reform der europäischen Fischereipolitik, kam jüngst in einer Studie [3] zum Schluss, dass die Europäer ihren Fischkonsum reduzieren müssen. Gleichzeitig lehnte Ocean2012 aber die Aufnahme des Vereins fair-fish ab, und zwar wegen dessen Kampagne für weniger Fischkonsum

Solange die europäische Szene um den heissen Brei herumredet, wird die EU ihre verkehrte Fischereipolitik sicher nicht umkrempeln. Das zeigt die Antwort [4] der neuen Fischereikommissarin Maria Damanaki auf den Vorstoss [5] von fair-fish:

«Ich bin eine standhafte Anhängerin des Nutzens regelmässigen Fischkonsums. Denn Fisch – sofern er alle Anforderungen an die Lebensmittelsicherheit erfüllt – hat sich als sehr vorteilhaft für unsere Gesundheit erwiesen. Darum kann ich einer Zielvorgabe, den Fischkonsum auf ein bis zwei Mahlzeiten pro Monat zu reduzieren, nicht zustimmen. Mit sachgemässem Naturschutz und optimaler Marktplanung wird es möglich sein, weniger zu fischen und mehr zu bekommen. Das Wachstum nachhaltiger Fischzucht kann ebenfalls Teil dieser Lösung sein.»

Massnahmen zur Reduktion des Fischkonsums waren eine von verschiedenen Forderungen, welche fair-fish Ende 2009 an die Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik gestellt hatte [6] . Damanakis Argumentation ist für fair-fish nicht schlüssig [7] .

Eine wirksame Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) wird sich an den hauptsächlich limitierenden Faktor halten müssen, nämlich an die auf lange Sicht verfügbare Menge Fisch – und nicht an die zunehmende Menge, welche die Europäer gerne verschlinge würden.

Sogar nachhaltiges Fischen kann nicht mehr Fische herzaubern als die Natur hervorbringt. Fischzucht andererseits ist bestenfalls dann nachhaltig, wenn sie ganz auf Fischmehl und Fischöl verzichtet. Bis heute haben wir in den Verlautbarungen der Kommission zu GFP nichts Derartiges gelesen. Es sieht vielmehr so aus, als wäre die Kommission entschlossen, eine Kampagne weiterzufahren, welche die Konsumenten in naher Zukunft aller Fische berauben wird.

Wenn Fisch tatsächlich so entscheidend für die menschliche Gesundheit ist, sollten wir nicht allen Fisch wegessen, ohne künftigen Generation etwas übrigzulassen. Laut medizinischen Wissenschaftern besteht der wichtigste Vorteil von Fisch in seinem hohen Gehalt an Omega 3, welches von der Mikroalge Ulkenia in die marine Nahrungskette gebracht wird. Öl auf der Basis von Ulkenia ist von der EU-Kommission zugelassen worden, und Produkte hieraus sind im Markt erhältlich. Warum also sollten wir die Fische ausrotten, wenn wir das, was wir nötig haben, viel direkter bekommen können?

Vor diesem Hintergrund ist die Frage, ob und welches Label beim Einkauf berücksichtigt werden soll, zwar nicht unwichtig, aber nicht die entscheidende.


[2] http://www.fair-fish.ch/wissen/gesundheit

[3] http://www.ocean2012.eu/channel/view_resource/id/120427

[4] http://www.fair-fish.ch/files/pdf/wissen/20100910_damanaki_ff.pdf

[5] http://www.fair-fish.ch/blog/archive/2010/08/10/weniger-fisch-essen-fair-fish-findet-gefolgschaft.html

[6] http://www.fair-fish.ch/files/pdf/wissen/fair-fish_gfp_de.pdf

[7] http://www.fair-fish.ch/files/pdf/wissen/20100912_ff_damanaki.pdf

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