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Artenvielfalt am Meeresboden (Craig McClain/Deep Sea News)

«Der Meeresgrund ist einem Urwald vergleichbar, auf welchen Kot und tote Tiere vom Himmel regnen»

Craig McClain


Viele Menschen denken beim Wort «Biodiversität» sogleich an tropischen Regenwald oder Korallenriffe. Doch obiges Bild zeigt: «Biodiversität» ist ein Konzept, das auch enger auf Meeresboden angewandt werden müsste. Es mag unglaublich klingen, doch die auf dem Bild versammelten Arten wurden in einem einzigen, handgrossen Kescher voller Meeresgrundschlamm gefangen. Wirklich erstaunlich ist dabei: Nur wenige Fuss entfernt vom Ort, an welchem diese Tierchen eingesammelt wurden, findet sich im nächsten Fang ziemlich sicher eine ganz andere Zusammensetzung.


Enorme Vielfalt trotz harten Bedingungen

Bis in die 1960er Jahre galt der Meeresboden weitherum als uniformes Ödland. Doch im Lauf der letzten Jahrzehnte haben Wissenschafter zu realisieren begonnen, dass die Annahme organischer Eintönigkeit  nicht zu halten ist.

Der Meeresboden scheint freilich eine herbe Umgebung zu sein. Wie gelingt es denn Tieren dort überhaupt, zu überleben, geschweige denn sich als Art zu entwickeln? Die Antwort auf diese beiden Fragen ist eng verknüpft mit dem Phänomen des «Meereschnees», sagt der USamerikanische Meereswissenschafter Craig McClain:

«Der Mangel an Licht in der Tiefsee schliesst Photosynthese aus, weshalb es da keine Primärproduktion von Kohlenstoffverbindungen gibt, welche am Anfang jeder Nahrungskette stehen. Tiefseelebewesen hängen daher von einem Rieseln organischen Materials ab, welches von der produktiven Meeresoberfläche heruntersinkt. Dabei handelt es sich weitgehend um geringe Mengen von geringer Qualität, eine Mischung aus zerfallenden Tierleichen und Tierkot, welche während des steten Sinkens durch Bakterien weiter zersetzt werden. Etwa zwei bis fünf Prozent der Gesamtmenge an Kohlenstoff an der Meeresoberfläche sinken bis zum Meeresgrund, das entspricht vergleichsweise zwei Esslöffeln aus einem Zweikilosack Zucker.

Meeresschnee (Grafik American Scientist/Deep Sea News)

«Meeresschnee» statt Photosynthese

Dieser von der Meeresoberfläche herunterrieselnde «Meeresschnee» sinkt wie ein Nebel zum Meeresgrund. Aber so, wie ein leichter Schneefall im Garten keine gleichmässige Decke bildet und in der einen Stadt mehr, in der andern weniger Schnee hinterlässt, liegt Meeresschnee an manchen Stellen dichter als an andern.»

McClain erläutert, wie er und andere Forscher entdeckt haben, dass Arten in der Tiefsee unglaublich empfindlich auf kleinräumige Veränderungen in der Verteilung des Meeresschnees reagieren. Kleinste Unterscheide in der Verfügbarkeit von Kohlenstoff führen zu höchst verschiedenen Lebensräumen am Meeresgrund. Das Ergebnis ist ein Mosaik ähnlich einer Flickendecke, wobei jeder Flicken einer einzigartigen ökologische Nische entspricht.

Diese Erkenntnisse helfen nicht nur zu erklären, warum wir innerhalb einer kleinen Nische eine derart grosse Vielfalt finden können, sondern auch zwischen den Nischen.

Robert T. Gonzalez

übersetzt und leicht gekürzt: Billo Heinzpeter Studer
Originaltext: http://io9.com/5874762/the-ocean-floor-is-like-a-rainforest-where-feces-and-dead-animals-rain-from-the-sky

Quelle



Grafik unten: Meeresschnee, American Scientist/Deep Sea News

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