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Muschelhängekultur vor Trieste, Italien (Foto: Studer/fair-fish.net)

Sechs Jahre lang hatte es die frühere die Regierung von Schleswig-Holstein zugelassen, dass im Nationalpark Wattenmeer importierte Miesmuscheln gezüchtet wurden. Einer Klage der Schutzstation Wattenmeer und des WWF hat das Bundesverwaltungsgericht nun recht gegeben. Künftig gilt wieder, was einst selbstverständlich war: im Wattenmeer wird geerntet, was natürlicherweise dort wächst.

Die Miesmuschelzucht im Wattenmeer hat eine lange Tradition. Durch massive Überfischung wurden die natürlichen Bestände dieser an der Oberfläche lebenden Art in den letzten Jahrzehnten zusehends dezimiert, mit negativen Folgen für die Muschelfischer, aber auch für die Vögel. Die von Fischereifirmen im tieferen Wasser künstlich angelegten Muschelbänke erlaubten zwar, weiterhin zu ernten, gaben den Vöglen aber keine Nahrung mehr.

Besetzt wurden die künstlichen Muschelbänke mindestens sechs Jahre lang mit Saatmuscheln aus Irland, Grossbritannien und Niedersachsen. Die Regierung hatte «vergessen», dass das Nationalparkgesetz das Aussetzen standortfremder Tiere im Wattenmeer verbietet. Auf dieses Gesetz stützten Schutzstation und WWF ihre Klage und machten gelten, dass die biologische Vielfalt in den Meeren immer mehr unter der Einschleppung fremder Arten und ihrer Parasiten leide. Die importierten Miesmuscheln seien mit jenen des Wattenmeers nicht identisch, sondern an andere Standorte angepasst.

Ein Zurück zur einst traditionellen Besatzmuschelfischerei scheint sich für die heutigen Fischereibetriebe nicht mehr zu lohnen. Sie überlegen stattdessen die Einrichtung von Saatmuschelgewinnungsanlagen, grobmaschige Kunststoffnetze an Schwimmern, die einige Meter tief ins Wasser reichen und an denen sich die natürlich vorkommenden Muscheln besser festsetzen und wachsen sollen. Mehrere hundert Hektar Wattenmeer sollen derart «möbliert» werden, was der WWF als «neuerlichen schweren Eingriff in den Nationalpark» ablehnt. Eine denkbare Alternative wären Hängekulturen, wie sie vor vielen Küsten im Einsatz sind, so etwa vor Galizien oder Schottland: einfache, an Schwimmern befestigte Seile, an welchen sich die Muscheln festsetzen können.

Artikel im «Fischmagazin»

Schutzstation: Miesmuschel

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