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Golfischim Seerosenteich (Foto: 4028mdk09/Wikimedia)
Golfischim Seerosenteich (Foto: 4028mdk09/Wikimedia)

In den ersten drei Lebensjahren lernen wir, uns einigermassen sicher und zielvoll im Raum zu bewegen. An die Mühen dabei können wir uns kaum erinnern, hingegen daran, dass es am Anfang nicht so einfach war, uns auf dem Fahrrad, auf Stelzen, auf Rollschuhen oder im Auto im Raum zu bewegen. Grundsätzlich, nehmen wir wohl an, kann ein Mensch wohl jedes Gefährt zielvoll navigieren lernen.

Und wie ist das bei Tieren? Beschränkt sich deren angeborene Navigationsfähigkeit auf die Umwelt ihrer biologischen Nische, oder ist sie auch bei ihnen universell? Forscher der Ben-Gurion-Universität im Negev wollten das herausfinden und haben hierfür ein geradezu unmöglich anmutendes Experiment entwickelt: Sie versahen ein Aquarium mit Rädern und einer Kamera und setzten einen Goldfisch ins Wasser. Die Versuchsanordnung war so angelegt, dass die Richtung, in die der Fisch im Aquarium schwimmt, via Kamera zum Steuerimpuls für den fahrbaren Untersatz des Aquariums wird: Schwimmt der Fisch nach links, fährt das Aquarium nach links, hält er inne, stoppt das Aquarium, et cetera – siehe Video.

Aber navigiert der Fisch wirklich? Um dies herauszufinden, fixierten die Forscher ein deutlich erkennbares Ziel an der Wand des Raums gegenüber dem Aquarium. Es brauchte ein paar Tage Training mit Belohnung, bis die Fische das Ziel sicher anzusteuern vermochten. Danach wurde die Aufgabe mit Hindernissen zusätzlich erschwert, doch die Fische liessen sich nicht vom Ziel ablenken, wie die Forscher Anfang Januar 2022 berichteten.

Die Navigationsfähigkeit von Goldfischen scheint also universell zu sein, sie ist auch in einem für Goldfische primär sinnlosen Umfeld wirksam. Und was für Goldfische gilt, trifft vermutlich für viele verwandte Karpfenarten zu, ja: für viele weitere Fischarten überhaupt. Wenn aber Fische kognitive Fähigkeiten haben, die es ihnen erlauben, selbst eine komplexe Aufgabe weit jenseits der Grenzen ihrer biologischen Entwicklungsherkunft zu lösen, wirft das erst recht die Frage danach auf, was die Menschheit den Fischen in Aquarien, Fischzuchten und Versuchslabors an intellektueller und kultureller Langeweile überhaupt noch zumuten darf. Vom Rest der genutzten Tierwelt noch gar nicht zu reden.

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