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Industrieller Thunfischfang (Videostill aus dem besprochenen Film)

Im Juli 2011 ging die Botschaft über alle Kanäle: «WWF empfiehlt Delphin-Killer-Thunfisch». Am 20. Juli 2011 strahlte das Bayerische Fernsehen in seinem Politmagazin «kontrovers» gar einen fünfminütigen kritischen Beitrag unter dem Titel «Thunfisch mit Delphinblut» .

Worum geht es?

EDEKA, Deutschlands grösste Detailhandelskette, die laut Eigenwerbung ab 2012 nur noch Produkte aus zertifizierter Fischerei anbieten möchte, arbeitet zur Erreichung dieses sehr ehrgeizigen Ziels eng mit dem WWF Deutschland zusammen und setzt bisher ausschliesslich auf das WWF-Fischereilabel «MSC» .

Als Thunfisch in Dosen bietet EDEKA neu Gelbflossenthun aus dem Ostpazifik an, welcher unter dem Delfin-Schutzprogramm AIDCP gefangen wird – ein laut EDEKA «strenges Schutzprogramm». Entsprechend wird der Kauf dieses Produkts vom WWF empfohlen .

Delfinschützer aber machen gegen EDEKA mobil, weil das AIDCP-Programm ihrer Meinung nach Delfine gerade nicht schützt. Ulrike Kirsch von der Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD) bezeichnet AIDCP sogar als «Delfintötungsprogramm». Dazu muss man wissen, dass Thunfischschwärme im Ostpazifik an der Wasseroberfläche von Delfinen begleitet werden. Eine bequeme Fischereimethode, einen Thunfischschwarm ins Netz zu bekommen, besteht darin, das grosse Netz auf die Delfine zu setzen. Das hat aber zur Folge, dass Delfine mitgefangen und verletzt oder getötet werden. Darum ist diese Methode in den USA verboten, ebenso beim vor 21 Jahren etablierten «Dolphin Safe» -Label des Earth Island Institutes , einer der grossen USamerikanischen Umweltorganisationen.

Es gäbe also längst Thunfischdosen, bei deren Produktion keine Delfine dranglauben mussten. Zahlreiche Thunfischereien haben sich inzwischen auch für das Label «Friend of the Sea» zertifiziert. EDEKA hehauptet dagegen im oben genannte Film, bei Thunfisch seien «noch keine nennenswerten Mengen mit einer anerkannten, umfassenden Nachhaltigkeits-Zertifizierung verfügbar».

Diese erstaunliche Behauptung gründet offensichtlich auf einer Kritik des WWF am «Dolphin Safe»-Label, die seit Jahren immer wiederholt wird, auch wenn das Earth Island Institute sie Punkt für Punkt widerlegt. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, der grosse WWF könne es nicht verwinden, dass das bis heute weltweit und mit Abstand erfolgreichste Fischereilabel nicht auf seinem Mist gewachsen ist...

Erstaunlich ist zudem, dass EDEKA keinen Thunfisch aus MSC-zertifizierter Fischerei wählt, den es ja bereits gibt (Weisser Thun aus USamerikanischer Angelfischerei). Womöglich liegt's schlicht am Preis, und der WWF musste ein Auge zudrücken, dait EDEKA enen Schirtt näher zum 100%-Ziel kommt?

Wir wollten wissen, was Sache ist, und haben folgende Stellungnahmen vom WWF Deutschland und vom Earth Island Institute erhalten.

Aufgrund der vorliegenden Informationen scheint derzeit ein Kauf von Thunfischdosen bei EDEKA weniger ratsam.

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