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Der MSC hat nach happiger Kritik von Meereswissenschaftern 1 endlich eine Studie über die eigene ökologische Leistung in Auftrag gegeben. Leider nicht an wirklich unabhängige Experten. Darum ist die Kritik nicht vom Tisch. Das ist auch ein Schaden für alle, die sich für eine rücksichtsvolle Fischerei einsetzen.

(Die Zusammenfassung der Studie findet sich unten)

Zwei Dinge springen sogleich ins Auge. Erstens die Aussage «Die Studie belegt erstmals, dass der MSC-Standard nicht nur in der Theorie funktioniert, sondern tatsächlich auch ’auf dem Meer’ für messbare Verbesserungen sorgt». Das ist doch schon sehr erstaunlich: Seit zwölf Jahren kassiert der MSC von der Fischwirtschaft Dutzende von Millionen für eine Zertifizierung, deren ökologische Wirkung er erst jetzt untersuchen liess. Zweitens der Umstand, dass der MSC diese Untersuchung bei Beratungsfirmen in Auftrag gab, die bekannt sind für ihre Nähe zu MSC und zum hinter MSC stehenden WWF.

Man hätte sich unabhängigere Prüfer gewünscht, zum Beispiel aus dem Kreis der zahlreichen Meeresbiologen wie Daniel Pauly oder Rainer Froese, welche die ungenügende ökologische Leistung des MSC kritisch beurteilen. Es war ja überhaupt erst deren geballte Kritik, welche den MSC vor etwas mehr als einem Jahr veranlasst hatte, eine Untersuchung in Auftrag zu geben. Doch der MSC hat die Chance verpasst, sich die behauptete positive Leistung von unabhängigen Experten bestätigen zu lassen und damit die Kritik zum verstummen zu bringen. Das ist schade, denn für die Erholung der Fischbestände und für die Veränderung der Fischerei braucht es alle Kräfte, auch den MSC und dessen Promotor WWF.

1 Meereswissenschafter kritisieren MSC (Nature, 2010)

Zusammenfassung der Studie (MSC- Pressetext )

« MSC-Programm verbessert messbar Situation der Meere:
Am 02. November 2011 veröffentlichte der Marine Stewardship Council (MSC) eine Studie zu den „Umweltauswirkungen des MSC-Zertifizierungsprogramms“. „Die Studie belegt erstmals, dass der MSC-Standard nicht nur in der Theorie funktioniert, sondern tatsächlich auch ’auf dem Meer’ für messbare Verbesserungen sorgt“, erklärt Dr. Christopher Zimmermann, stellvertretender Leiter des bundeseigenen von Thünen-Instituts für Ostseefischerei in Rostock.
Die Studie untersuchte die Umweltleistung von Fischereien während des gesamten MSC-Bewertungsprozesses. Die Analysten, MRAG (Marine Resources & Fisheries Consultants), Poseidon und Meridian Prime, konzentrierten sich auf acht Indikatoren, die während einer Bewertung nach MSC-Standard beurteilt werden: den Bestandszustand, die Referenzwerte für die Population, die Bestandserholung, Beifangarten und zurückbehaltene Arten, gefährdete und geschützte Arten, Lebensräume sowie Ökosysteme. Die Ergebnisse belegen unter anderem, dass viele der zertifizierten Fischereien nach erfolgter Zertifizierung zu einer Verbesserung der von ihnen genutzten Bestände beitragen, den unerwünschten Beifang reduzieren oder besser über die Auswirkungen ihrer Fischerei auf die Meeresumwelt Bescheid wissen als vor der Zertifizierung. So befinden sich die Hokibestände vor Neuseeland heute wieder auf gesundem Niveau, nachdem die Höchstfangmengen für die zertifizierte Hokifischerei zwischen 2001 und 2009 erheblich von 250.000 Tonnen auf unter 100.000 Tonnen gesenkt wurden. Auch das geschätzte Gesamtvorkommen von Alaska Seelachs im Golf von Alaska nimmt seit der Zertifizierung im Jahr 2005 kontinuierlich zu und die zertifizierte Schleppnetzfischerei auf südafrikanischen Seehecht konnte ihre Beifangraten von Albatrossen um über 80 Prozent senken.

Neue Informationen aus Vorbewertungen zeigen zuvor unerkannten Aspekt und positiven Beitrag des MSC-Programms
Das MSC-Zertifizierungsprogramm ist offen für alle Fischereitypen, allerdings wird nicht jede Fischerei, die sich um eine MSC-Zertifizierung bemüht, auch mit dem blauen Siegel belohnt. Um zu vermeiden, dass unnötig Geld, Zeit und Ressourcen in ein aussichtloses Verfahren investiert werden, durchlaufen die meisten Fischereien eine vertrauliche Vorbewertung, bevor sie sich entscheiden, in die öffentliche Vollbewertung zu gehen. Hier erhalten sie Aufschluss darüber, ob das Zertifizierungsverfahren Aussicht auf Erfolg haben könnte. Bis zum Februar 2011 hatten 447 Fischereien diese Vorbewertung absolviert. Über einem Drittel (etwa 35 Prozent, 155 Fischereien) wurde empfohlen, aufgrund zu großer Schwächen nicht fortzufahren. Viele dieser Fischereien investieren in der Folge in Verbesserungsprojekte, um zu einem späteren Zeitpunkt  die MSC-Zertifizierung mit Aufsicht auf Erfolg durchzuführen. Die zahlreichen vertraulichen Vorbewertungen sind ein Hinweis auf diesen zuvor unerkannten Aspekt und positiven Beitrag des MSC-Programms.
Sechs Prozent der weltweiten Fangmenge tragen das MSC-Siegel
Weltweit sind derzeit 133 Fischereibetriebe nach MSC-Standard  zertifiziert. Zusammen fangen diese Betriebe über fünf Millionen Tonnen Fisch und Meeresfrüchte – circa sechs Prozent der weltweiten Fangmenge. Rund um den Globus gibt es derzeit über  13.000 MSC-gekennzeichnete Fisch- und Seafooderzeugnisse, die bis zu jenen Fischereien zurückverfolgt werden können, aus denen sie stammen.

Über den MSC
Der MSC ist eine unabhängige und gemeinnützige Einrichtung, die weltweit tätig ist. Sie verwaltet ein Zertifizierungsprogramm für nachhaltig arbeitende Fischereien, das international anerkannt ist. Die Kriterien, die eine Fischerei erfüllen muss, um MSC-zertifiziert zu werden, stellen einen breiten wissenschaftlichen Konsens dar, der von über 200 Experten verschiedener Arbeitsfelder weltweit definiert wurde. Im Rahmen einer MSC-Bewertung prüfen unabhängige Zertifizierer gemeinsam mit qualifizierten Wissenschaftlern Fischereien auf Grundlage dieser Kriterien. Der MSC hat heute weltweit rund 80 Mitarbeiter, die am Hauptsitz in London und in weiteren Niederlassungen rund um den Globus tätig sind.»

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