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Die neue Regierung der Republik Senegal hat 29 Fanglizenzen für ausländische Trawler annulliert. Die Lizenzen waren vom früheren Fischereiminister eigenmächtig und in Verletzung der geltenden Gesetze vergeben worden.

Damit habe die neue Regierung per Ende April 2012 alle Lizenzen an ausländische Boote für die  Hochseefischerei beendet, verlautete aus dem Fischereiministerium. Der Minister selbst erklärte, Kreise der senegalesischen Fischerei hätten diesen Schritt dringendst gefordert. Tatsächlich hatten verschiedene Organisationen der artisanalen Fischerei von der Regierung Wade wiederholt verlangt, die Lizenzen zurückzuziehen. Insbesondere die Confédération Africaine des Organisations Professionelles de Pêche Artisanale ( CAOPA ) brandmarkte die besonders undurchsichtige Vergabe von Lizenzen an russische Trawler. Und Greenpeace, die in Afrika Fuss zu fassen sucht, unterstützte die Forderungen der Fischer. Alles vergebens – die Regierung Wade argumentierte stets, diese Lizenzvergaben seien «notwendig für die Bedürfnisse der Finanzen der Republik».

Macky Sall, Ende März 2012 neu gewählter Präsident der Republik Senegal, hatte Anfang April erklärt, seine Regierung werde die «Bedingungen der Lizenzvergabe überprüfen» und «entschieden gegen die illegale Plünderung der senegalesischen Fischgründe» vorgehen. Fisch ist Senegals wichtigstes Exportprodukt, und die Fischerei ist der wichtigste Beschaffer von Arbeitsplätzen im westlichst gelegenen Land Afrikas.

Quellen/Sources:
en français auf deutsch

Lizenzeinnahmen privatisiert

Wohin das Geld verschwunden ist, welches der ehemalige Fischereiminister für die illegalen Lizenzen gekriegt hat, wird nach dem Regierungswechsel allmählich klarer. Der ehemalige Präsident der senegalesischen Anwaltskammer erhob Anfangs Mai 2012 Anklage gegen den im März 2012 abgewählten greisen Staatspräsidenten Abdoulaye Wade: Er und sein Regime hätten der Republik Senegal 642 Millionen öffentlicher Mittel entwendet und auf Banken in Paris und in Golfstaaten verschwinden lassen. Die senegalesische Zivilgesellschaft ist geschockt über diese Nachricht und verlangt, dass die Gelder repatriiert und die Schuldigen bestraft werden.
Das dürfte zur ersten harten Probe dafür werden, wie radikal die neue Regierung mit den alten Machenschaften bricht. Es gibt Stimmen, die darauf hinweisen, dass auch Mitglieder der neuen Regierung an der Geldwäsche beteiligt seien.
Der neue Präsident der Republik, Macky Sall, war einst Regierungschef unter Wade gewesen. In jener Zeit hatte er Regionalentwicklungsmittel für den Bau eines Flughafens in der menschenleeren Ebene des Saloum nahe der Stadt Fatick abgezweigt, deren Bürgermeister er war. Er kennt die Schliche und hat sie wohl auch in andern Fällen angewandt. Jetzt muss er zeigen, dass er selber mit diesen üblen Gepflogenheiten rücksichtslos bricht.
Darauf können die Menschen im Senegal nur hoffen. Ihre schwierige ökonomische Situation hatte sich im Lauf der letzten zehn, zwanzig Jahre nur noch verschlimmert. Angesicht europäischer Rettungsschirme in Billionenschwere mögen sich 642 geklaute Millionen wie ein Nichts ausnehmen – für ein armes Land wie den Senegal ist das viel Geld. Noch wichtiger aber ist ein Bruch mit der «Tradition», dass Senegalesen, die «oben» angelangt sind, ihre Untertanen gnadenlos ausnehmen und selber nur noch auf der faulen Haut liegen, wie einst die arabischen und danach die europäischen Kolonisatoren. Da geht es dann rasch um Milliarden

Sources en français:
Les Sénégalais choqués
Wade en colère
Macky Sall contre les voleurs à col blanc

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