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Die Lachsfischerei in Alaska ist für das vom WWF geförderte Label MSC erneut zertifiziert worden. Vier Naturschutzorganisationen aus Kanada und Südost-Alaska hatten Einsprache dagegen erhoben: Das MSC-Label werde auch für Lachs aus gefährdeten Beständen vergeben.
Diese Einsprache ist jetzt von der unabhängigen Schiedsrichterin zurückgewiesen worden. Damit steht der Labelvergabe aus Sicht des MSC nichts mehr im Weg. Dem MSC-Label droht damit aber ein Verlust an Glaubwürdigkeit.

Die vier nordfamerikanischen Naturschutzorganisationen hatten gegen die Rezertifizierung opponiert, weil sie auch die Fischerei im Südosten Alaskas einbezieht. Die in diesem Gebiet gefangenen Königslachse stammen aber zu 96 Prozent aus Flüssen ausserhalb Alaskas, in welchen die strengen alaskischen Fischereibestimmungen nicht gelten. Viele dieser «fremden» Lachsbestände sind überfischt oder gefährdet.

MSC-Lachs auch aus gefährdeten Beständen

Die vier NGOs kritisieren, dass der MSC der Zertifizierungsgesellschaft im März 2013 erlaubt hatte, diese ausseralaskischen Flüsse nicht in die Prüfung einzubeziehen – und dass er die interessierten Kreise (Stakeholders) mit keinem Wort darüber informiert habe. Ein klarer Verstoss gegen das MSC-Reglement für Zertifizierungen, das vorsieht, dass die Stakeholders Zugang zu allen relevanten Daten haben müssen. Der MSC scheint nicht nur eigene Regeln zu vergessen, sondern auch den üblichen Anstand: Am 12. November behauptete er dreist, es seien innert der angesetzten Frist keine Einsprachen eingegangen.

Dabei hatte die Schiedsrichterin in ihrem Urteil vm 11. November festgehalten, die vier NGOs hätten offenbar nicht so sehr ein Problem mit der Zertifizierungsgesellschaft als vielmehr mit dem vom MSC festgelegten Verfahren der Zertifizierung. Tatsächlich kritisieren die vier NGOs, der MSC habe eigenmächtig beschlossen, dass man die betroffenen ausseralaskischen Lachse und die alaskischen Lachse in der Praxis kaum auseinanderhalten könne. Die Schiedrichterin merkt dazu an, nach diesem Entschluss des MSC habe das Zertifizierungsverfahren nach den geltenden MSC-Regeln gar nicht mehr anders durchgeführt werden können. Da fragt man sich schon, wozu es überhaupt eine jahrelang dauernde und extrem teure Zertifizierung braucht, wenn die problematischen Fälle von vornherein ausser acht gelassen werden.

Falscher Entscheid schwächt MSC

K onsequent ware es einzig gewesen, für die im südöstlichen Alaska gefischten Königslachse kein MSC-Zertifikat zu vergeben, meinen die vier NGOs. Sie werden nun nicht klein beigeben, sondern die Öffentlichkeit darüber informieren, dass MSC-Königslachs (Chinook) aus Alaska aus gefährdeten Beständen stammen kann. Die vier NGOs sind sich zwar bewusst, dass dies eine schlechte Botschaft für die verantwortungsvolle Fischereipolitik Alaskas ist, und zudem eine schlechte Nachricht für die Konsument/innen, die sich gern auf ein Label wie MSC verlassen würden. Die vier Organsiationen wollen versuchen, ihre Botschaft so zu verbreiten, dass der Schaden für Alaska möglichst gering bleibe. Den Schaden für das MSC-Label aber kann nur der MSC selber beheben: indem er die skandalöse Zertifizierung korrigiert.

Von Anfang an verbockt – Fischereien machen nicht mehr mi

Die MSC-Rezertifizierung der alaskischen Lachsfischerei war von Anfang an eine mühsame Rangelei. Eine grösserer Teil der Lachsfangindustrie wollte gar kein MC-Zertifikat mehr und verschaffte sich ein eigenes Alaska-Label nach den Label-Kriterien der UNO-Organisation für Landwirtschaft und Ernährung (FAO). Zudem erfasst die MSC-Rezertifizierung nur die Königslachse, während sie für Rotlachs (Sockeye), Buckellachs (Pink salmon) und Ketalachs (Chum) nicht abgeschlossen werden konnte, wie das Branchenportal Seafood.com am 13. November meldete. Das heisst, dass sogar jene alaskischen Fischereien, die noch auf eine MSC-Zertifizierung Wert legen, einen Drittel ihrer Fänge gar nicht mehr unter MSC-Label vermarkten können.

Der MSC hat nicht nur einen seiner grössten und ältesten Kunden, die alaskische Lachsfischerei, zum Teil bereits verloren, sondern setzt nun auch das Vertrauen der Konsument/innen aufs Spiel. Grosse Supermarktketten in Europa und Nordamerika sind klug genug, ihre jahrelang einseitig auf MSC ausgerichete Fischbeschaffungspolitik in jüngster Zeit breiter abzustützen. Das fördert den Wettebewerb um die nachhaltigsten Kriterien und damit den Schutz der Fischbestände.

Quellen:

«Alaska wirft MSC raus»

«Conservation groups: MSC is whitewashing us»

«Objection dismissal seriously undermines MSC credibility»


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