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Eines muss man Frankreich lassen: Es ist das einzige Land der westlichen Welt, das der anglophonen Globalisierung etwas Eigenes entgegenzusetzen versucht, vor allem im kulturellen Bereich. Und weil Labels für Lebensmittel unmittelbar in ein Kerngebiet der französischen Kultur eingreifen, in die Küche nämlich, ist es nicht verwunderlich, dass die Grande Nation in Form ihrer Verwaltung seit ein paar Jahren an der Definition eines eigenen Fisch-Labels arbeitet.

Ähnlich wie das längst eingeführte «Label Rouge» für qualitativ mehr oder weniger hochstehende Nahrungsmittel französischer Provenienz zielt auch das label français für Meeresprodukte hoch hinaus: «2008 haben wir verschiedene Ökolabels für nachhaltige Fischerei miteinander verglichen und festgestellt, das keines alle Kriterien der FAO erfüllt», sagt ein Vertreter von FranceAgriMer , einer Regierungsstelle für Produkte von Feld und Meer.

Strenge Labels gibt es schon

Die UNO-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) hatte erstmals 1995 Kriterien erfüllt, welche ein Fischerei-Label erfüllen soll. Die beiden weltweit führenden Seafood-Labels, Friend of the Sea und MSC , werfen sich gegenseitig mangelnde Beachtung dieser Kriterien vor. FranceAgriMer macht sich nun anheischig, Ende 2011 das weltweit strengste Label zu lancieren. Neben der Definition «weniger diskutabler» Kriterien für die Nachhaltigkeit der Fischerei soll es auch soziale Aspekte, den Energieverbrauch der Schiffe und die Produktequalität berücksichtigen.

Ein anspruchsvolles Ziel, zumal es teilweise bereits erreicht ist. Friend of the Sea (FOS) hat einfache, aber klare Kriterien, die etwa das Befischen überfischter Arten oder den Einsatz von Grundschleppnetzen ausschliessen. Zudem verlangt FOS die Einhaltung von sozialen Mindestnormen und die Reduktion bzw. Kompensation der CO 2 -Emissionen entlang der ganzen Produktionskette.

Noch weiter geht der fair-fish-Standard : Er schliesst die Qualität mit ein und die industrielle Fischerei konsequent aus, verlangt die Einhaltung des Kriterien des Fairen Handels und den schonendst möglichen Umgang mit den gefangenen Tieren.

Geht's vor allem um den Schutz der französischen Fischerei-Industrie?

Warum braucht es noch ein neues Seafood-Label, das nichts Neues bringt? Laut FranceAgriMer soll das Label auch ausserfranzösischen Anbietern offenstehen. In der Praxis geht es aber wohl eher darum, das Image der französischen Fischerei-Industrie etwas zu polieren und den ausländisch kontrollierten Labels den Zugang zum französischen Markt zu erschweren. Um Kultur geht es hierbei allenfalls noch insofern, als Frankreich seinen traditionellen Etatismus wieder einmal feiert, während rundherum der angeblich freie Markt tobt

Auch andere Länder versuchen oder überlegen, ihre Fischerei unter einem eigenen Label am Markt zu positionieren. Aber während Island oder Alaska sich vorwiegend am Exportarkt orientieren müssen, auf welchem vor allem MSC- oder FOS-Zertifizierungen gefordert werden, kann die französische Industrie auf einen grossen Heimmarkt zählen, auf welchem sich ein eigenes Label à la «Label Rouge» tatsächlich etablieren könnte.

Quelle: IntraFish

Quelle: Libération

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