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Ist Nähe immer besser?

«Food milers» nennt sich eine neue Bewegung. Ihr Anliegen: Unsere Nahrung soll so nah wie möglich von unserem Wohnort produziert werden. Das ist als Zielsetzung richtig – und falsch.

Richtig ist die Besorgnis über die zunehmende Distanz zwischen Produzierenden und Konsumierenden. Nicht nur, weil wachsende Distanz zu höherem Energieverbrauch und negativen Folgen fürs Klima führt. Wachsende Distanz vergrössert auch die Unkenntnis der Konsumierenden über die Herstellung.

Fragwürdig ist es jedoch, die Nähe zum wichtigsten Kriterium zu machen. Viele Produkte können gar nicht in unserer Nachbarschaft hergestellt werden. Die Nähe ist ein Faktor unter vielen. Ist ein Forellenfilet aus intensiver Zucht in der Region wirklich nachhaltiger als ein Meerfischfilet aus schonendem Fang? Das muss schon genauer überlegt werden.

Die Lösung des Dilemmas ist nicht schwarz oder weiss. Sie liegt in Ihrer persönlichen Antwort auf die Frage: Wieviel Fisch soll ich essen? Wenn Sie wissen, dass die meisten Fische, die Sie hier bekommen können, gar nicht aus Ihrer Region stammen, könnte Ihre Antwort heissen: Weniger Fisch, als ich bisher ass. Da die meisten Fischbestände heute überfischt sind, wäre das ja nicht die dümmste Antwort. Und sie kann Ihnen helfen, den Fisch zu geniessen, den Sie dann nach überlegter Auswahl noch kaufen.

Billo Heinzpeter Studer in «IntraFish»


Einmaleins: kaum Fisch aus der Region

In der Schweiz, in Deutschland und in Österreich isst jede Person etwa einmal Fisch pro Woche. Rund 95% davon müssen die Schweiz und Österreich importieren, Deutschland immerhin etwa 71%. Das heisst: Fisch aus der Region ist die Ausnahme.

Am Beispiel der Schweiz: 5% von 52 Fischmahlzeiten gibt 2.5 Fischmahlzeiten pro Jahr und Einwohner - mehr Schweizer Fisch gibt es nicht. Wer nur inländischen Fisch essen möchte und jedem andern Einwohner das gleiche Recht zugesteht, muss sich also erheblich einschränken.

Die Hälfte des Schweizer Fischs stammt aus Zuchten, die hauptsächlich Forellen liefern. Die müssen mit Fischmehl gemästet werden, umgerechnet mindestens dreimal so viel Fisch im Futter wie danach im Teller. Die Futterfische stammen vorwiegend aus dem Ausland… Wer also wirklich nur Schweizer Fische essen will, kriegt nicht mehr als eine grosse Mahlzeit (1.25) pro Jahr...

«Vom ……-See»

Restaurants, die an einem See liegen, bieten Fische von diesem See an. Doch so viele Egli, wie der in der Schweiz beliebte Flussbarsch heisst, gibt es da gar nicht. Manch Filet stammt daher aus Osteuropa.

«Produkte von hier» sind für die Gastronomie sicher ein gutes Profil. Doch beim Fisch kann es da rasch eng werden. Denn 95% des Fischkonsums der Schweiz müssen durch Importe gedeckt werden. Ähnlich ist das in Österreich und Deutschland.

Besonders knapp wird das lokale Fischangebot im Winter. Wenn dann einfach Zuchtfisch aus dem Ausland auf den Tisch kommt, bleibt das zwar Süsswasserfisch, aber das Profil sinkt tief.



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