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Industrielle Zucht contra Tierschutz

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Afrikanische Welse in der Natur… (Foto: Johnny Jensen)
 

Aufstieg und Fall der Fischfabrik «Melander»

Im Osten der Schweiz, im St. Galler Rheintal, entstand 2008 «die grösste Indoor-Fischzuchtanlage der Welt». So sagte es deren Besitzer, der saarländische Industrielle Hans Raab, der mit seinem HaRa-Fensterreinigungssystem Millionen verdient hatte. Die Fischfabrik «Melander» hätte im Endausbau mit 1800 Tonnen pro Jahr weit mehr produziert als alle andern Schweizer Fischzüchter zusammen. Es blieb beim Konjunktiv.

Die Produktion grosser Mengen muss nicht automatisch tierschutzwidrig sein – bei «Melander» war es leider der Fall. Zwar hatte sich der zuständige St. Galler Kantonstierarzt frühzeitig eingeschaltet, um auf die Einhaltung der Tierschutzbestimmungen zu dringen. Vergeblich, denn der Selfmademan Hans Raab wusste es besser. Anstatt die Fische fachmännisch betäuben und töten zu lassen, «erfand» er eine Methode, bei welcher die Welse heruntergekühlt und lebend zentrifugiert werden, um ihre Haut vor der Schlachtung zu entschleimen. Das erleichtert die industrielle Verarbeitung, verletzt aber die Gesetze.
 

Tierschutzprobleme nicht nur bei der Schlachtung

Fragen warfen auch Zucht und Haltung der Fische auf. fair-fish verlangte bereits 2008 rasche Abklärungen, bevor die Fabrik auf voller Leistung fährt. Daraufhin drohte Raab, seiner Fabrik den Stecker rausziehen – um die danach krepierten 400'000 Fische hätte sich der Kanton kümmern sollen. Der Kanton liess sich nicht erpressen. Abgestimmt auf den konkreten Vorschlag von fair-fish räumte der Kanton Raab eine Frist bis Mitte Mai 2009 ein; ab dann hätte er tierschutzkonform betäuben und töten müssen. Raab nutzte die Frist stattdessen dazu, alle Fische zu schlachten und danach dichtzumachen.

Im Juli 2009 liess Raab verlauten, er verlege seine Fischfabrik ins Saarland – denn dort sei seine Methode erlaubt. Doch die deutsche Tierschutzschlachtverordnung verbietet Raabs Methode schon länger. Von fair-fish kontaktiert, liessen die zuständigen Behörden im Saarland keinen Zweifel daran, dass sie Raab nicht gewähren lassen würden.
 

Rundumschläge gegen alle und alles

In einem weiteren wirren Schreiben Ende Juli 2009 an Tausende Adressaten bezichtigte Raab die St.Galler Behörden der Tierquälerei (sic). Zudem forderte er, Prof. Segner von der Uni Bern müsse als Gutachter zu seiner Schadenersatzforderung wieder ausgeladen werden, da er als Beirat von fair-fish befangen sei. Fakt ist: Segner wurde von der Staatsanwaltschaft St. Gallen als Gutachter angefragt. Doch Segner selbst wies auf seine Beiratschaft hin, und die Staatsanwalt zog ihre Anfrage zurück. Absolut fair und korrekt also.

Im März 2010 deponierte Raabs Anwalt die längst angekündigte Schadenersatzklage beim Vermittleramt St. Gallen. Raab wollte 105 Millionen: 40 Mio. für die von ihm selber auf Sand gesetzte Fischfabrik und 65 Mio. für die Gewinne, die er sich davon in den nächsten 20 Jahren erträumt hatte. Bezahlen sollten das der Kanton St. Gallen, der Verein fair-fish, dessen Geschöftsleiter und der Zürcher Tages-Anzeiger. Noch ein Raabscher Traum.

Hintergrund: fair-fish-info Nr. 31 , Nr. 27 , Nr. 24
Agenturmeldung vom 31.03.2009

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Blick in die «Melander»-Fabrik
 

Stur bis zum Ende

Im Mai 2008 wies fair-fish die Behörden darauf hin, dass «Melander» die neue Tierschutzverordnung verletze, und beschaffte wissenschaftliche Grundlagen. Als bis März 2009 nichts geschah, verlangte fair-fish das sofortige Verbot von «Melander» sowie mit einer Petition den Erlass einer Verordnung über die Fischzucht.

fair-fish zeigte Lösung
Auf der Grundlage von wissenschaftlichen Erkenntnissen und Tierschutzrecht präsentierte fair-fish am 30. März in einem Brief an Raab eine Lösung – anderntags lehnte Raab ab. Der Kanton beharrte  auf Tierschutz. Raab reagierte mit Fabrikschliessung und mit Rundumschlägen gegen alle – und forderte vor Gericht 105 Millionen Franken Schadenersatz.

An einem unbeirrbaren Kantonstierarzt biss sich Hans Raab die Zähne aus. Ende März 2011 machte er seinen Betrieb erneut dicht, diesmal «unwiderruflich» . Doch schon Anfang August 2011 verkündete Raab, er lege wieder los... Im November schliesslich machten die Behörden die unbewilligte Fischfarm endgültig dicht.



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