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Kabeljaufischerei 1955 (Norwegisches Nationalarchiv / Wikimedai Commons)
Kabeljaufischerei 1955 (Norwegisches Nationalarchiv / Wikimedai Commons)

Auf dem französischen Markt ist Kabeljau nach Lachs der zweitwichtigste Fisch. Er stammt meist aus Norwegen, wird aber nicht dort zu Filets verarbeitet, sondern in China.

Eine französische Fernsehsendung1 wollte es genauer wissen, was dort passiert. Vor Ort durften sie zwar nicht filmen, aber an der grossen Seafood-Expo in Brüssel gab das Personal am chinesischen Stand offenherzig Auskunft. Den Filets werde Wasser injiziert, damit sie schön gross aussehen, und zudem könnten sie bei der Bestellung wählen, ob sie Filets mit oder ohne chemische Zusätze vorzögen. Was für Zusätze denn? Alles erlaubt in der EU, so etwa E451, ein Triphosphat, welches dafür sorgt, dass das Wasser in den Filets bleibt.

Die 15’000 Kilometer Umweg von Norwegen über China zum Beispiel nach Frankreich werden preislich inkauf genommen, weil die Verarbeitung in China so viel billiger ist. Nicht nur beim Kabeljau. Nordseekrabben werden nach Marokko zum Pulen geflogen, Tomaten aus China füllen die Saucen-Konserven der italienischen Traditionsmarke Barilla, und so weiter. Leichthin gibt man der Globalisierung die Schuld daran, aber genau genommen liegt es daran, dass die Transporte noch immer viel zu wenig kosten und westliche Arbeitsbestimmungen noch immer so leicht umgangen werden können.

Und was haben wir europäischen Verbraucher nun davon, dass norwegischer Kabeljau in China weniger Kosten verursacht hat? Wir müssen möglicherweise  etwas weniger tief in die Tische greifen und erhalten dafür ein mit Wasser aufgepumptes Produkt beliebiger Qualität, während der Rest der Gesamtrechnung unseren Kindern und Kindes-kindern später mal präsentiert werden wird.

Etwa ein Viertel2 der aus Norwegen exportierten Weissfische (Kabeljau, Seelachs und Schellfisch) gehen nach China. Nicht, weil die Chinesen das besonders gut hinkriegen; die Branche hält stets die Augen offen nach anderen günstigen und näher gelegenen Verarbeitern. Dann sind die Chinesen weg. Ein beliebiges Produkt eben, bei dem Kosten und Margen alles entscheiden. Doch wer an der Ostsee wohnt, hat gut lachen; er holt sich den Dorsch aus lokalem Fang.

 

1 DOC, France 5, 20.01.2019, Ausschnitt: https://www.facebook.com/fair.fish/posts/10158096014064428
2 Fischmagazin 23.02.2016
https://www.icefreshseafood.de/de/ber/nachrichten/kabeljau-export-der-norweger-boomt
https://www.royalgreenland.de/royal-greenland/neuheiten--seafood-insights/die-weltmarktsituation-fur-den-nordatlantischen-kabeljau/

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